Kategorie: grün:fläche WiSe 2010/11 (Seite 1 von 3)

Wider jeden Extremismusbegriff?

„Willkommen zu einem neuen Abenteuer von Andi und seinen Freunden. Wie ihr sicher schon aus den ersten beiden Heften wisst, setzt sich Andi für Demokratie und gegen Extremismus ein.“ Diese verheißungsvollen Sätze, die Jugendliche als Sprechblasentext neben der Comicfigur-Version Dr. Ingo Wolfs (ehemaliger Innenminister NRWs) bei der Lektüre des vom Verfassungsschutz NRWs publizierten Comics begrüßen sollen, heißen die Leser_innen zugleich willkommen auf den Spuren imposanter begrifflicher Leere. Weiterlesen

Der Fahrradaktionstag

im ersten Gang Richtung Fahrradwerkstatt

Viele Student_innen kennen das Problem ja sicherlich. Sie haben einen Platten, das Licht geht nicht mehr, der Bremszug ist gerissen oder das Schutzblech verbogen. Sie wissen aber leider nicht genau, wie das repariert werden kann oder haben kein passendes Werkzeug dafür. Der Weg in den nächsten Fahrradladen ist beschwerlich und teuer, denn wer das Rad wiederhaben möchte, darf auch für kleine Reparaturen gerne mal 30€ und mehr bezahlen.
Um diesem Problem entgegen zu wirken, gibt es an vielen Hochschulen von Student_innen oder vom AStA organisierte Fahrradwerkstätten. Dies beinhaltet sowohl einen sozialen als auch einen ökologischen Aspekt. Unser derzeitiger AStA sieht dieses, wie auch andere ökologische Projekte, nicht als seine Aufgabe an. Weiterlesen

Let’s go to the mall – today?

Welchen Einfluss hat der mögliche Bau eines neuen Einkaufszentrums auf Ehrenfeld?

Vielleicht können mit dem Namen Heliosgelände nicht alle etwas anfangen, trotzdem werden die meisten Student_innen zumindest Teile davon schon einmal besucht haben. Es handelt sich dabei nämlich um das große Gelände in Ehrenfeld, wo Gürtel und Venloer Straße aufeinander treffen und auf dem sich, neben dem etwas deplatziert wirkenden, dennoch wunderbar ästhetischen Leuchtturm, unter anderem das Underground befindet. Auch verschiedene Ateliers, Bars und Unternehmen finden dort ihren Platz. Und obwohl einige Teile davon brachliegen, macht diese Ecke viel vom Flair des charmanten „Veedels“ Ehrenfeld aus, das mit einer bunten Vielseitigkeit von Einzelhandelsunternehmen aller Art daherkommt und so manche Schätze bietet, nach denen man im Rest Kölns vergeblich sucht. Nun hat sich der Besitzer des Geländes, Bauwens Real Estate, überlegt, die riesige Fläche effektiver zu nutzen. Geplant ist, neben Büros und Wohneinheiten, ein riesiges Einkaufszentrum zu bauen – der Titel des Projektes ist „Helios-Höfe“. Mit einer Fläche von 20.000 m² soll dieses etwa so groß sein wie die Köln Arcaden in Kalk, welche immerhin 27.000 m² umfassen und in der Kritik stehen, dem Einzelhandel auf der Kalker Hauptstraße schwer zugesetzt zu haben. Das Underground würde nach derzeitigem ersten Entwurf einem Parkplatz weichen, weitere Einrichtungen an diesem Ort würden ebenfalls verloren gehen. Viele Einzelhändler_innen auf der Venloer Straße sehen sich in ihrer Existenz gefährdet, sollte das Projekt umgesetzt werden. Öffentliche Räume sind in der bisherigen Planung nicht vorgesehen. Weiterlesen

Student_innenverbindungen und Burschenschaften an der Uni Köln

die reaktionären Kinder der deutschen „Revolution“

An der Uni Köln gibt es etwa 30 Student_innenverbindungen. In die Uniöffentlichkeit trauen sich diese allerdings eher selten. Solange man nicht das Pech hat, in der Nähe eines Burschenschafts- oder Verbindungshauses zu wohnen, kann man die Herren in den albernen Uniformen (meistens sind keine Damen zugelassen) höchstens am Erstsemester_inneninfotag betrachten.

Die Verbindungen können nach folgenden Kriterien grob gegliedert werden: 1. Danach, ob die Verbindung schlagend oder nichtschlagend ist. Das heißt, ob ihre Mitglieder die Mensur fechten (rituelles Fechten, bei dem sich die Mitglieder ihre Schmisse holen) oder nicht. Bei den Schlagenden ist noch zu unterscheiden zwischen pflichtschlagenden und den fakultativ (also freiwillig) schlagenden Verbindungen. 2. Danach, ob die Verbindung farbentragend oder nichtfarbentragend ist. Also danach, ob die Korporationsmitglieder die Farben des Verbindungswappens in Form von Uniform, Bändern und Mützen zu bestimmten Anlässen am Körper tragen oder nicht. 3. Danach, ob die Verbindung konfessionell gebunden ist oder nicht. Weiterlesen

Wann wirds mal wieder endlich gebührenfrei?

Bei den Landtagswahlen wurde die Regierungskoalition von CDU und FDP abgewählt. Nach einigem Hin und Her beschlossen die Fraktionen von SPD und Grünen, auf die Linkspartei zu verzichten und bildeten eine Minderheitsregierung. Während des Wahlkampfes wurde versprochen die Studiengebühren abzuschaffen. Der genaue Zeitpunkt war damals noch nicht klar und variierte zwischen Sommersemester 2011 und irgendwann im Jahr 2013, wobei man sich beeilte klar zu stellen, dass die Aussagen von Hannelore Kraft, zur Abschaffung im Jahr 2013, nicht so gemeint waren und der frühstmögliche Termin geprüft werde. Obwohl es in beiden Parteien weiterhin Studiengebührenbefürworter_innen gibt – es sei erwähnt, dass Rot-Grün mit den Langzeitkonten den Grundstein für allgemeine Studiengebühren in NRW legte – scheint es nun tatsächlich wahr zu werden: Die Gebühren werden abgeschafft. Über die genaue Form und den Zeitplan wird momentan gestritten. Weiterlesen

Wenn Organisationszwänge regieren, Ethik und soziale Verantwortung verlieren Wirtschaftsethik an der Universität zu Köln

Interview mit Prof. Dr. Bernd Irlenbusch

Die zurückliegende Diskussion über Verfehlungen von einzelnen Manager_innen während der Finanzkrise ist eine typische Diskussion über fehlende soziale Verantwortung und die Maximierung des monetären Eigennutzens auf Kosten der Gesellschaft. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bringt es im September 2010 in einem Interview in der „Zeit“ auf den Punkt: „Banker haben sich unverantwortlich, unmoralisch und unethisch verhalten.“ Wie ist aber ein solches Verhalten erklärbar? Unter welchen Organisationsbedingungen findet dies statt? Und wie lässt es sich vermeiden? Mit solchen Punkten setzt sich die Forschungsrichtung der Wirtschaftsethik auseinander. Die noch relativ junge Disziplin versucht ethische und moralische Prinzipien auf den Bereich des wirtschaftlichen Handelns anzuwenden. Im englischsprachigen Raum ist das Thema Wirtschaftsethik weitaus populärer als in Deutschland. Bedeutende Business Schools wie Harvard und Stanford, besitzen schon seit den 70er Jahren Wirtschaftsethiklehrstühle. Ethische Fragestellungen wurden bislang in wirtschaftlichen Fächern an der Universität zu Köln eher wenig beachtet. Immerhin durften sich Gesundheitsökonom_innen über Lehrveranstaltungen zum Thema „Ethik des Gesundheitswesens“ freuen. Prof.’in Dr.’in med. Christiane Woopen, die auch Mitglied des Deutschen Ethikrats ist, diskutiert hierbei mit Studierenden beispielsweise grundlegende Gerechtigkeitsfragen und diskussionswürdige Themen, wie die Priorisierung von medizinischen Leistungen. Betriebs- und Volkswirt_innen hatten lange Zeit keine äquivalente Möglichkeit in Lehrveranstaltungen ethische und moralische Fragestellungen zu behandeln. Studentische Organisationen wie PEUK und Oikos engagieren sich deswegen außerhalb vom regulären Lehrangebot und bieten eigene Veranstaltungen an. Wiederholt forderten die Gruppen auch gegenüber dem Dekan der WiSo-Fakultät, die Schaffung eines Wirtschaftsethiklehrstuhls. Zum Sommersemester 2010 folgte eine Positivmeldung, die auch campus:grün köln freute. In Folge eines Berufungsverfahrens wurde der umbenannte, um Wirtschaftsethik ergänzte, Lehrstuhl für „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsethik“ geschaffen. Lehrstuhlinhaber ist seitdem der Informatiker, Betriebs- und Volkswirt Prof. Dr. Bernd Irlenbusch. Seine Promotion schrieb er unter Betreuung von Reinhard Selten, dem bekannten Spieltheoretiker und einzigem deutschen Ökonomie-Nobelpreisträger. Zuletzt war er Reader an der renommierten London School of Economics. Weiterlesen

Über den Nutzen der Bildung

Werden die Geisteswissenschaften verdrängt?

„Wir haben zu viele Soziologen und Politologen. Wir brauchen viel mehr Studenten, die sich für anständige Berufe entscheiden, die der Gesellschaft auch nützen.“, bemerkte der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt schon in den 60er Jahren. Die Abwertung geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge ist kein neues Phänomen, wenngleich sie im heutigen Klima der zunehmenden Ökonomisierung von Bildung, noch stärker hervortritt und auch Einfluss auf die offizielle politische Agenda gefunden hat.

So wird unterschieden zwischen volkswirtschatlich „nützlichen“ Professionen und solchen, die keinen tieferen Nutzen haben, sondern im Wesentlichen der Selbstentfaltung dienen. Ein_e Ingenieur_in – so die gängige Vorstellung – ersinnt wertvolle technische Neuerungen, die letztlich allen zugutekommen. Ein_e Philosoph_in dagegen endet bestenfalls als Taxifahrer_in. In jedem Fall ist der Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Reichtum minimal und steht in keinem Verhältnis zu den Kosten des Studiums. Weiterlesen

Science for a better li(f)e?

Intransparenz bei Bayer-Kooperation mit der Uni

Bereits in der letzten grün:fläche haben wir uns mit dem Kooperationsvertrag zwischen der Uniklinik Köln und der Bayer HealthCare AG beschäftigt. Nun haben die Kritiker_innen dieser Zusammenarbeit durch den Landesdatenschutzbeauftragten Unterstützung bekommen. Seit 2008 arbeitet der Pharmakonzern auf verschiedenen medizinischen Gebieten mit der Uniklinik zusammen. Während die Uniklinik, als öffentliche Einrichtung, Grundlagenforschung betreibt und Patient_innenfälle liefert, stellt Bayer wissenschaftliche und finanzielle Mittel zur Verfügung. Solch ein Public-Private-Partnership-Modell ist zwar heute nicht mehr unüblich, allerdings handelt es sich bei der Zusammenarbeit mit der Universität Köln um die bis dahin weitreichendste des Landes. Weiterlesen

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