Sprache schafft Fakten

Warum geschlechtergerechte Sprache wichtig ist

Sprache steht nie im luftleeren Raum, Sprache verändert sich, spiegelt die herrschende Gesellschaftsordnung wider und schafft Realitäten. Unsere Gesellschaft verwehrt weiterhin bestimmten Gruppen eine gleichberechtigte Teilhabe. Dies geschieht manchmal sehr deutlich und manchmal subtiler und lässt sich im Sprachgebrauch oft nachweisen.

Eine große benachteiligte Gruppe sind Frauen. Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan, aber noch immer verdienen Frauen für dieselbe Arbeit weniger Geld, kommen schwieriger in Spitzenpositionen und leisten weiterhin den überwiegenden Teil der von der Gesellschaft weniger geschätzten Arbeit, so z. B. unbezahlte Arbeit im Haus und in der Erziehung. Dass die deutsche Sprache also nicht geschlechtergerecht ist, ist wenig verwunderlich. Zwar wird immer wieder behauptet, das so genannte „generische Maskulinum“ schließe Frauen mit ein, schauen wir aber genauer hin, werden wir feststellen, dass dies nicht wirklich der Fall ist. An wen denkt ihr z.B., wenn ihr die Berufe Sänger, Schauspieler oder Chefarzt, und an wen, wenn ihr Krankenschwester hört? Richtig, der Chefarzt ist beim ersten Gedanken keine Chefärztin. Der Beruf „Krankenschwester“ ist im Gegensatz zu den anderen genannten Berufen deutlich markiert und dem Weiblichen zugeordnet.

Interessanterweise ist es der Beruf, welcher im Vergleich mit den anderen in dieser Gesellschaft am wenigsten geschätzt ist, was sich z.B. durch die finanzielle Vergütung ausdrückt. Gibt es bei der „Krankenschwester“ mittlerweile das Äquivalent „Krankenpfleger“ (nicht der „Krankenbruder“) sieht es bei der „Putzfrau“ noch trauriger aus. Dieser Beruf ist ganz eindeutig Frauen zugeordnet, auch wenn es jetzt offiziell “Raumpfleger_in” heisst. Der Behauptung, geschlechtergerechte Sprache sei schwieriger zu lesen, möchten wir widersprechen. Es ist wesentlich aufwändiger, immer überlegen zu müssen, ob mit dem „generischen Maskulinum“ nun wohl auch Frauen gemeint sein könnten. Außerdem werden wichtige Fakten häufig verändert. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Satz: „Bereits um 1840 schrieben Mathematiker die ersten Computerprogramme.” Dass es sich bei Lady Ada Lovelace, die damals eine mechanische Rechenmaschine erfand, um eine Frau handelte, wird in dem Satz nicht deutlich. Während es an der Uni seit einigen Jahren Vorschriften gibt, die allen Dozent_innen vorschreiben geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, klappt es auf studentischer Ebene häufig noch schlechter, und wenn dann häufig verbunden mit Widerwillen.

Wenn wir bei google.de den Begriff „Student“ eingeben, bekommen wir Links zu Job- und Karrieretipps, zu einem Wörterbuch, zu den Studierendenwerken der verschiedenen Städte und zu vielen Wohnangeboten. Insgesamt bekommen wir also einen bunten Strauß voller nützlicher Tipps für den Alltag als Student_in. Geben wir stattdessen „Studentin“ ein, bekommen wir für die ersten 10 Treffer Ergebnisse wie “Studentin.net – die geilsten Studentinnen”, “Studentin strippt” und weiterer ähnlicher Treffer. Begriffe, mit denen die Durchschnittsstudent_innen wahrscheinlich weit weniger anfangen können. Die Treffer sind vielmehr ein Ausdruck des auch weiterhin bestehenden Patriarchats, welches Frauen in bestimmte Rollen drängt, bei Google ist das in 8 von 10 Fällen (Stand 18.02.2010) die des Lustobjekts für Männer. Um dem entgegen zu wirken ist es wichtig, bei Inhalten, bei denen auch Frauen gemeint sind, auch von Frauen zu sprechen. Das Sprechen beeinflusst unsere Identität und damit unsere Vorstellung von uns selbst und anderen. Eine Gleichstellung aller Menschen bedingt auch eine gerechte sprachliche Repräsentation.

Jonas Thiele

Jonas Thiele

9 Kommentare

  1. gibts denn keine schöneren fotos von mir?

  2. fabian

    Fr, 9. April 2010 at 02:17

    schick mir eins

  3. Tja, Jonas, da auch Du aufgrund Deines Geschlechtes zum Patriachat gehörst und uns Frauen in Rollen drängst,(wie kommst Du eigentlich darauf dass ich mich mit Stripperinnen identifiziere?) würde ich mich mal fragen ob ich überhaupt kompetent genug für dieses Thema bin!

  4. Alter Schwede. Ich frage mich, was du studierst, wenn du noch Zeit hast einen solchen überflüssigen Mist zu verzapfen. Die Vorstellung dass sich ein Wortungetüm wie Student_innen (Student_außen???) jemals durchsetzen wird ist genau so dumm wie heuchlerisch.
    Mir scheint du bist mitten in der Ausbildung zu den Menschen, die später einmal andere Menschen am Arbeiten hindern. Und falls es deswegen dann keine berufliche Perspektive für dich gibt ist bestimmt das Schweinesystem daran schuld …
    Fast ein Grund wieder Studiengebühren einzuführen.
    So long

  5. Hallo Anna, kannst du genauer auf die Textstelle eingehen die du meinst? Mir scheint, du hast den Text nur überflogen, ich gehe rein auf die Zuschreibungen die durch Sprache entstehen ein. Als Beispiel dafür habe ich die Google-Ergebnisse genommen. Ob du, die ich nicht kenne, dich mit Stripperinnen identifizierst spielt dabei erst einmal keine Rolle.
    Viele Grüße
    Jonas

  6. Interessanter Hinweis, ich merke, dass ich konkreter werden muss. Vielleicht sollte ich irgendwann mal einen Artikel schreiben, in dem sich die Frage gestellt wird, ob es sinnvoll ist seine Arbeitskraft verkaufen zu wollen und warum eine „berufliche Perspektive“ nicht der Gipfel der Emanzipation ist.
    Vielen Dank und viele Grüße
    Jonas

  7. Oh, die Arbeit kannst du dir sparen. Es ist im Grunde genommen doch ganz einfach. Wenn es nach mir geht, kannst du tun und lassen, was du willst (solange keine andere Person dadurch in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt wird etc. pp.). Den lieben langen Tag. Aber dann willst du essen. Und wohnen. Kleidung wäre nicht schlecht. Oder doch mal ins Kino? Also brauchst du Geld. Ob man nun an der Kinokasse Karten verkauft oder operiert ist mir wiederum egal. Solange du nicht von anderen stiehlst etc. etc. (persönliche Freiheit s. o.).

    Jetzt kommt der Haken: Geld, das Papa Staat so gnädig verteilt, muss VORHER _erarbeitet_ werden. (Sic!) Es ist ANDERE Leute Geld.
    Die Art und Weise wie mit fremder Leute Geld in diesem Land um sich geworfen wird (um Banken zu retten, oder unsinnigen Solarstrom zu fördern) ist beschämend. Scheinbar stört sich kaum jemand daran? Zumindest bei den Grünen nicht, denn der Anteil derjenigen die ihr Geld in irgendeiner Form vom Staat beziehen ist bei den Grünen so hoch wie in keiner anderen Partei. Die Grünen sind das, was man eine klassische Klientel-Partei nennt, (Grünen- (Wähler) bekommen ihr Geld vom Staat oder von ihrem Mann).
    Wenn mich nicht alles täuscht, bist du auf dem besten Wege einer dieser Netto-Bezieher staatlicher Leistungen zu werden. Du lebst somit von dem Geld der Steuerzahler, also auch von meinem Geld. Deshalb ist mir die Frage erlaubt: „Was zum Geier tust du eigentlich den ganzen lieben Tag, wenn du Zeit hast, einen solchen Mist zu schreiben?“ Auf nichts anderes bezog sich mein erstes Posting. (8 Juni)

    Nein? Du wolltest weiter ausholen und unsere sozialistische Marktwirtschaft als die Wurzel allen Übels darstellen?
    Spar es dir. Wie ich schon schrieb: „Das Schweinesystem ist schuld!“(8. Juni)

    In der Sekunde ab der du dich komplett autonom (das Wort muss dir doch gefallen) versorgst, egal ob durch Gelderwerb, durch Ackerbau, oder sonstwie, ab der darfst du Pamphlete schreiben was gefälligst alle anderen besser oder anders zu machen haben. Vorher musst du dir von mir solche Frage gefallen lassen.

  8. Du gefällst mir. Der Prototyp des Vorurteilsbeladenen, Fakten ignorierenden und letztendlich auch vollkommen uninteressierten Menschen. Schön, genau diese Menschen bringen unsere Gesellschaft weiter.

  9. Hallo Jonas,

    man kann ja vieles über mich sagen. „Uninteressiert“ ist definitiv das letzte Adjektiv, das auf mich zutrifft. Doch ich bin gar nicht so wichtig. Was mich jedoch brennend interessiert ist: Wenn du die Erwerbstätigkeit, zumindest in unserem Umfeld, als Broterwerb ablehnst und NICHT von anderer Leute Geld, weder legal noch illegal leben willst, was tust du stattdessen? Diogenes? Buddhistischer Mönch? Reich geerbt? Ich bin ehrlich interessiert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1 + 5 =

© 2017 campus:grün

Theme von Anders NorénHoch ↑