Termin Details


Linke Perspektiven zur Europäischen Energiepolitik

Am kommenden Freitag und Samstag findet in der Alten Feuerwache (Melchiorstraße 3, Köln) eine Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Europäischen Energiepolitik statt. Auch wenn die Workshops und Vorträge sehr parteilastig sind, bietet sich doch ein spannendes Programm.

Ankündigungstext

Die Energiewende als Begriff hat einen langen Weg seit den 80er Jahren hinter sich gelegt und ist wesentlich von Autorinnen rund um das Freiburger Öko-Institut inspiriert worden.

Kernelemente der „grünen“  Energiewende sind der Ausstieg aus der Atomenergie, der Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Auseinandersetzung mit der Wachstumsfrage und die Dezentralisierung der Energieversorgung hin zu angepassten regionalen Konzepten, mit den Stadtwerken als zentralen Akteuren.

Linke Energiepolitik nimmt diese Aspekte positiv auf und fokussiert  stärker auf Fragen des Eigentums und der Verfügung über die Energieressourcen wie auf die Akteursebene. Mit dem Ausgang des fossil-nuklearen Kapitalismus gilt es monopolistische Konzernstrukturen und machtbasierte Großtechnologien zu bekämpfen, um eine alternative Systemlogik möglich zu machen und Gerechtigkeitsfragen national wie im Nord-Süd-Kontext zu thematisieren.

Dies impliziert die Aufwertung der öffentlichen Hand für die notwendige Restrukturierung der Rahmenbedingungen der Energieproduktion- und reproduktion. Die Gegenüberstellung von Markt und Staat wird angesichts der anstehenden Herausforderungen in den Bereichen Kraftwerke, Netze und Speicher immer mehr als obsolet erkennbar und dient nur dem verzweifelten Versuch der eingerichteten Interessen Zeit zu gewinnen und ihre Position durch Desavouierung einer revolutionären Idee zu retten.

Wenn am deutschen Wesen nicht die Welt genesen soll, dann darf es nicht bei der „german energiewende“ bleiben, sondern es gilt auf europäischer Ebene linke Positionen auszutauschen und den Versuch zu unternehmen für die Kriterien: ökologisch nachhaltig und zukunftsfähig, antimonopolistisch, fehlerfreundlich, demokratisch kontrollierbar und gerechtigkeitsbasiert linke Mehrheiten zu organisieren. Sonst wird die Energiewende scheitern und der grüne Kapitalismus eine neue Rettungsschleife absolvieren können.

Bereits bei den Themen Atomkraft wie Dezentralisierung der künftigen Energieversorgung  wird deutlich, dass die Energiewende  droht zerrieben zu werden zwischen den Interessen der fossil-nuklearen Konzerne und dem politischen Mainstream in  EU-Kommission und Nationalstaaten.

Die Konferenz dient der Analyse und der Klärung der Positionen der europäischen Linken zur Atomfrage, stellt das Thema Energie  als Grundlage des gesamten Wirtschaftens in den polit-ökonomischen Zusammenhang und benennt  ökologische und soziale Alternativen auf der Akteursebene wie bei den anzustrebenden neuen Organisationsformen der Energiepolitik.

Dazu sollen die Akteure pro Energiewende in Person von Energiexpert_innen, Initiativen und Politiker_innen   ins Gespräch kommen, Positionen austauschen und vertiefen und Gemeinsamkeiten sowie Strategien für eine erfolgreiche Energiewende skizzieren.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Das komplette Programm

Freitag, 7. Dezember 2012
18.00 Uhr
*Atomausstieg mit links? Die europäische Linke und die Atomfrage*
Mit: PD Dr. Lutz Mez, Forschungszentrum für Umweltpolitik,Berlin,
Die Energiewende gegen den europäischen Mainstream; Uwe Hiksch, NaturFreunde Deutschlands
--Die Länder Osteuropas: Nicht rot, aber strahlend aktiv?
Maite Jaureguy-Naudin, Projektleiterin Energie amInstitut Français des Relations Internationales (IFRI), Paris,
Optionen für eine Energiewende in Frankreich.
Moderation: Rainer Nickel, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Samstag, 8. Dezember 2012
10--12 Uhr Einstieg
Begrüßung: Karl-Heinz Heinemann, Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

*Energie -- Macht -- Gesellschaft:Energiepolitik als Gesellschaftspolitik*
Mit:
Severin Fischer, Stiftung Wissenschaft und Politik,Berlin
Rüdiger Sagel Sprecher, DIE LINKE. NRW
Moderation: Dr. Ulrich Schachtschneider, Energieberater/freier Sozialwissenschaftler, Oldenburg

13.00--15.00 Uhr Podium
*Die Arbeit an der Energiewende --Akteure und Netzwerke*
Mit:
Rosa Hemmers, stellvertretende Vorsitzende von Eurosolar, Bonn
Stefan Taschner, Berliner Energietisch;
Karlheinz Röcher, Projektentwickler Energiegenossenschaften, Bergkamen
Moderation: Steffen Kühne Rosa-Luxemburg-Stiftung

15.00--16.30 Workshops
*Energiewende konkret:Alternativen -- Ökologisch und Sozial*
a. Stadtwerke zwischen Rekommunalisierung und Weltmarkt: Der STEAG-Kauf
Mit: Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup / Prof. Dr. Ralf Marquardt, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen;
Uwe Vorberg, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE. im Ratder Stadt Bochum
Moderation: Wolfgang Freye, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Regionalverband Ruhr
b. Die Anti-AKW-Bewegung und die Energiewende -- die Energiewende als antikapitalistisches Projekt?
Mit: Martina Haase, AKW-Nee-Aachen, Westcastor Stop
Moderation: Steffen Kühne, Rosa-Luxemburg-Stiftung
c. Strom und Wärme als soziale Grundrechte -- die Energiewende sozial gestalten
Mit: Dr. Michael Kopatz, Wuppertal-Institut für Klima,Umwelt, Energie;
Jörg Detjen, Fraktionvorsitzender DIE LINKE. im Rat der Stadt Köln;
Uwe Schöneberg, Vorstand, Rheinenergie AG, Köln
Moderation: Tadzio Müller, Rosa-Luxemburg-Stiftung

17.00 Uhr
Transformation:Die linke Energiewende ermöglichen
*Positionen linker Bewegungen und Parteien zur Energie und Klimapolitik der EU*
Dr. Ulrich Schachtschneider, Energieberater/freier Sozialwissenschaftler, Oldenburg

17.30--20.00 Uhr
*Ökologisch-soziale Perspektiven zur Zukunft der Energiewende*
Mit: Anna Leidreiter, Junior Policy Officer, Klima und Energie beim World Future Council, Hamburg
Prof. Dr. Peter Hennicke, Wuppertal
Hans Thie, Referent für Wirtschaftspolitik, Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Berlin
Moderation: Jörg Staude, Journalist und wissenschaftlicher Mitarbeiter DIE LINKE. im Bundestag, Berlin