• Keupstraßenkino: Von Mauerfall bis Nagelbombe

    So, 24. Februar 2013 • 

    keußstraßenkino_frontGeschichten aus der Keupstraße & Filme über die Pogrome der frühen 1990er Jahre

    In der Keupstraße (Ort des NSU Nagelbombenanschlags von 2004) werden von März bis April verschiedene Filme die sich mit den Pogromen im frisch wiedervereinten Deutschland beschäftigten gezeigt. Vor jedem Film gibt es einen Inputs von Betroffenen und Zeitzeugen.

    Das Problem heißt Rassismus

    Am 9. Juni 2004 explodierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe, die Teil der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) war. Nach dem Anschlag wurde die gesamte Anwohnerschaft kriminalisiert und vom Verfassungsschutz bespitzelt. Die Opfer wurden zu Tätern gemacht, während die wirklichen Täter und ihre Strukturen von den Behörden unbehelligt blieben. Die stigmatisierende These der Ermittlungsbehörden, wonach die Täter zuerst im Umfeld der Keupstraße zu suchen seien, blieb in der Öffentlichkeit weitestgehend unwidersprochen. Rechtsextreme Anschläge und die Verfolgung der Opfer statt der Täter stehen in einem größeren Zusammenhang rassistischen Denkens und Handelns, dem seit dem Mauerfall 1989 über hundert Menschen zum Opfer fielen.

    Die Film- und Veranstaltungsreihe „Vom Mauerfall zur Nagelbombe“ setzt die Pogrome der 1990er Jahre in Bezug zu den NSU-Anschlägen und zeigt gemeinsame Erfahrungen und Analysen von Rassismus in Deutschland.
    An fünf Abenden werden Betroffene an verschiedenen Orten in der Keupstraße von ihren Erfahrungen berichten. Ihre Geschichten aus der Zeit des Schweigens sollen nun öffentlich gemacht werden. Darauf folgt jeweils ein kurzes Referat von ExpertInnen und Betroffenen der früheren Anschläge, das den anschließenden Film vorstellt. Nach der Veranstaltung gibt es Gelegenheit zu einem ungezwungenen Austausch und Kennenlernen bei Getränken und Essen.

    Die VeranstalterInnen kommen von innerhalb und außerhalb der Keupstraße und sind seit Jahren in antirassistischen und politischen Initiativen engagiert.
    Wir laden alle Kölner und Kölnerinnen ein, die Isolation der Keupstraße in dieser Stadt und das fortwährende Schweigen über die skandalösen Ermittlungen aufzubrechen und an den Abenden miteinander ins Gespräch zu kommen.

    Die Filme

    Duvalar – Mauern – Walls

    Do. 7.3. 19:00
    Ort: Café Sabahçı, Keupstr. 87

    Der zwischen 1989 und 1991 in Berlin gedrehte Film Duvarlar / Mauern / Walls von Can Candan versetzt uns zurück in die frühen 90er Jahre. Auf Mauerfall und Wiedervereinigung folgten rassistische Anschläge und pogromartige Überfälle in zahlreichen Städten Deutschlands. Die Situation wird aus Sicht der türkischsprachigen EinwohnerInnen in Interviews dokumentiert und aus migrantischer Perspektive analysiert.
    Als Referentin ist Heike Kleffner, Referentin im Untersuchungsausschuss des Bundes zum NSU und Expertin in der Beratung von Opfern rechtsextremer Gewalt, zu Gast.


    Hoyerswerda-Kurzdokus

    Do. 14.3. 19:00
    Ort: Paradies Café, Keupstr. 64

    1991 kam es in Hoyerswerda zum ersten Pogrom an ausländischen ArbeiterInnen und Flüchtlingen nach der Wiedervereinigung. Manuell Alexandre, einer von 18.000 mosambikanischen VertragsarbeiterInnen in der ehemaligen DDR, schildert im Film Viele habe ich erkannt die von ihm erlebten Lebensbedingungen und erzählt davon, was nach dem Pogrom passierte. Im Film Hoyerswerda revisited kehren drei der Betroffenen der rassistischen Ausschreitungen nach 20 Jahren wieder an den Ort des Geschehens zurück. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen des Bürgermeisters und vieler Einwohner von Hoyerswerda werden die drei Männer erneut bedroht und angegriffen.
    Einleitend wird Emmanuel Aguyeman von seinen Erfahrungen von 1991 und von 2012 berichten. Die Filmemacherin Julia Oelkers wird ebenfalls anwesend sein.


    The truth lies in Rostock
    Kein 10. Opfer (Gruppe Was Nun?!)

    Do. 21.3. 19:00
    Ort: Restaurant Asmali Konak, Keupstr. 44-46

    August 1992, Rostock – Lichtenhagen. Die Polizei schaut zu, als Faschisten die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeitern mit Molotow-cocktails angreifen. Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen VertragsarbeiterInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern.
    Der Vorfilm Kein 10. Opfer dokumentiert die Schweigemärsche und Demonstrationen in Kassel und Dortmund im Mai/Juni 2006 nach den NSU-Morden an Halit Yozgat und Mehmet Kubasık.

    Referentin (angefragt): Katharina König, Expertin für Rechtsextremismus und Mitglied des Thüringer Untersuchungsausschusses zum NSU


    Revision
    Do. 28.3. 19:00
    Ort: Café/Konditorei Damla, Keupstraße 82

    Ende Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Körper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumänische Staatsbürger handelt. Sie wurden bei dem Versuch, die EU-Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen. Diese geben an, die Menschen mit Wildschweinen verwechselt zu haben. Vier Jahre später beginnt der Prozess. Das Urteil: Freispruch. Der Regisseur Philip Scheffner ermittelt für seine filmische „Revision“ erneut.

    Der an den Ermittlungen beteiligte Rechtsanwalt Wolfgang Heiermann wird einleitend über die Aufdeckungen berichten.


    Mölln – Nach de Brand

    Do. 4.4. 19:00
    Ort: Restaurant Kervansaray, Keupstr. 25

    Am 23. November 1992 legten Neonazis in Mölln einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan, bei dem drei Familienangehörige ums Leben kamen. Die Regisseurin Malou Berlin hat die Familie vier Jahre lang im Prozess der Aufarbeitung von Verlust und rassistischer Gewalt begleitet und ein sehr persönliches und empathisches Porträt der Familie verfilmt.

    Ibrahim Arslan, Sohn der Familie, wird in der Keupstraße zu Gast sein und die Dokumentation einleitend kommentieren.
    Imran Ayata, Verfasser der Mölln-Rede von 2011, wird ebenfalls anwesend sein.


    Das komplette Programm als PDF-Datei.

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